Klimaschutzinitiative von Apotheken

Hintergrund
Um die Wiederaufforstung im Harz zu unterstützen, haben der Pharmagroßhandel Richard Kehr GmbH, die NLF und die Stiftung Zukunft Wald das Projekt „Apothekenwald im Harz“ ins Leben gerufen.

Der Harz ist, wie viele andere Waldgebiete auch, von den Auswirkungen des Klimawandels im großen Ausmaß betroffen. Wo früher Wälder standen, sind heute große Kahlflächen zu sehen. Unvorstellbar, dass in nur zwei Jahren allein in den Landesforsten Wälder in einer Größe von 10.000 Hektar vernichtet worden sind. Bei der Bepflanzung der durch Klimafolgen entstandenen Kahlflächen müssen die veränderten Klimabedingungen berücksichtigt werden.

 

Woher kommen die Fichtenwälder?
Die Fichte liefert ein hervorragendes, vielseitig einsetzbares und schnell wachsendes Holz. Aus diesem Grund pflanzten schon die Bergleute fast ausschließlich Fichten, deren Holz dringend für den Abbau von Erzen benötigt wurde. Kriegsbedingte Übernutzungen und umfangreiche Reparationsleistungen, die in Holz zu erbringen waren, führten in Folge des zweiten Weltkriegs zu großen Kahlflächen im Harz. Zwangsläufig setzte man bei der Wiederaufforstung abermals fast ausschließlich auf Fichten. Einerseits stand kaum anderes Saatgut in ausreichender Menge zur Verfügung und auch wären kaum andere Baumarten mit den rauen Bedingungen auf den großen Kahlflächen zurechtgekommen. Andererseits wurde für den Wiederaufbau dringend Fichtenholz benötigt.

 

2018 + 2019: Zwei harte Jahre für die Wälder Niedersachsens
Mit bis zu 200 km/h peitschte im Januar 2018 Sturm Friederike durch die Wälder und hinterließ einen unfassbaren Schaden. Die Mengen an Sturmholz waren immens. Gerade bei solchen Katastrophen muss schnell gehandelt werden. Die Wege müssen frei geräumt und das Holz aufgearbeitet werden. Hat der Borkenkäfer das Windwurfholz entdeckt, sich eingebohrt und vermehrt, steigt die Borkenkäferpopulation ausgehend von großen Mengen bruttauglichen Materials sprunghaft an, es kommt zur Massenvermehrung und zum Befall geschwächter, noch lebender Fichten. So kam es in den Jahren 2018 und 2019, in Verbindung mit der außergewöhnlich warmen und trockenen Witterung, die die Entwicklung der Borkenkäfer noch begünstigte, zur Massenvermehrung der Käfer. Viele Wälder, die den Sturm überstanden hatten, fielen den gefräßigen Borkenkäfern zum Opfer und starben ab.

Doch auch andere Baumarten wie die Buche setzte Hitze und vor allem Trockenheit enorm zu, sodass vielerorts auch Buchenwälder flächig abzusterben begannen.

 

Der Klimawandel verändert alles, auch die Lebensbedingungen der Borkenkäfer
Witterungsverläufe wie in den Jahren 2018 und 2019 mit enorm heißen und trocknen Sommern und milden Wintern bei gleichzeitiger Zunahme von Extremereignissen wie Stürmen sind als Folgen des Klimawandels zukünftig häufiger zu erwarten. Wie viele andere Schädlinge werden auch die Borkenkäfer durch diese Bedingungen begünstigt, sodass sie sich massenhaft vermehren. Ein einziger weiblicher Käfer kann unter diesen Optimalbedingungen innerhalb eines Jahres mehr als 50.000 Nachkommen erzeugen. Auch gesunde Bäume haben bei einer derartigen Anzahl keine Chance, sich zur Wehr zu setzen.

 

Von der Monokultur zum Mischwald
Dass Mischwälder aus mehreren Baumarten gegenüber Witterungsextremen und Schädlingen weniger anfällig sind, ist länger bekannt. Auch das Potenzial der Massenvermehrung des Borkenkäfers kann durch die Mischwaldaufforstung eingedämmt werden. Da die Käfer sich auf wenige Baumarten spezialisiert haben, können sie sich im Vergleich zu einem reinen Fichtenwald nicht so schnell vermehren. Aus diesem Grund entwickeln die Förster der NLF die Wälder im Harz bereits seit den 1980er Jahren behutsam und mit großem Aufwand in Mischwälder. Im Schatten und Schutz zahlreicher alter Fichten, wachsen daher vielerorts bereits kleine Buchen, Douglasien und Bergahorne zu klimastabilen Mischwäldern heran, in denen auch die Fichte – dann als eine von vielen Baumarten - vorkommen wird.

 

Die Dringlichkeit der Mischwälder
Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt einerseits wie wichtig es ist, die alten Fichtenwälder in Mischwälder umzuwandeln.  Es zeigt sich andererseits auch, dass dies wegen des Klimawandels und der Folgen für den Fichtenwald sehr dringend anzugehen ist. Dabei kann jedoch nicht wild drauf los gepflanzt werden. Die Förster müssen Faktoren wie Bodentyp, Lage, Nährstoffhaushalt und Wasserversorgung beachten, denn nicht jeder Baum gedeiht auf jedem Boden. Auch ist schon jetzt zu bedenken, wie sich die Bedingungen für die Bäume in der Zukunft verändern werden, denn auch in 100 Jahren müssen die Bäume den dann herrschenden Bedingungen gewachsen sein und Witterungsextremem standhalten. Nur so ist gewährleistet, dass der Wald auch zukünftigen Generationen als Klimaschützer, Holzlieferant, Erholungs- und Lebensraum zur Verfügung steht.

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